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für systemisch, konstruktivistisch arbeitende Coaches, Berater, Therapeuten und alle Interessierten

Existenz und unsere Furcht vor dem Nichts

Philosophie Posted on Mi, Januar 16, 2019 13:15:21

Wir Menschen sind die einzigen Kreaturen, für die die eigene Existenz das Problem ist. Unsere Existenz ist immer von dem Wissen überschattet, dass wir wachsen, gedeihen und unausweichlich welken und sterben werden. Epikur glaubte, dass es unsere allgegenwärtige Furcht vor dem Tod sei, welche Grundwurzel allen Elends sei und keine Freude ungetrübt lasse. Epikurs Position „Da wir tot sind, wissen wir nicht, dass wir tot sind, und was gibt es in diesem Falle zu fürchten?“ ist quasi die Antwort auf Woody Allen: „Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich will nur nicht dabei sein, wenn er kommt“.

Im jungen Erwachsenenleben werden die Todesängste durch zwei Hauptaufgaben beiseitegeschoben: Karriere machen und eine Familie gründen, Jahrzehnte später ereilt uns die Midlife-Crisis, und die Furcht vor dem Tod bricht erneut mit aller Macht aus („Nur angesichts des Todes wird das Selbst des Menschen geboren“, Cicero). Je geringer die Zufriedenheit im Leben, desto größer die Todesfurcht („Lebe dein Leben. Werde, der du bist. Stirb zur rechten Zeit. – Nietzsche“).

Todesfurcht ist die Mutter aller Religionen. Gott, Überkulturell formuliert, mildert häufig nicht nur den Schmerz der Sterblichkeit durch irgendeine Vision von ewigem Leben, sondern lindert auch die furchterregende Isolation durch die Option einer ewigen Präsenz und liefert einen klaren Plan für ein sinnvolles Leben. Die Angst vor dem Tod erzeugt Probleme, die zunächst nicht direkt mit der Sterblichkeit in Beziehung zu stehen scheinen. Furcht vor dem Nichts heftet sich schnell an ein greifbares Objekt an („Furcht vor dem nichts versucht immer, Furcht vor etwas zu werden“, Rollo May). Für viele Eltern stellen z.B. Kinder ein ‚Unsterblichkeitsprojekt‘ dar.

Man kann jemandem, der dem Tod gegenübersteht, keinen größeren Dienst erweisen, als ihm die reine Anwesenheit anzubieten. Beziehung hat Priorität. Springen Sie hinein. Kommen Sie den anderen in jeder Weise nahe, die Sie als geeignet empfinden. Sprechen Sie aus dem Herzen. Offenbaren Sie Ihre eigenen Ängste. Improvisieren Sie. Es ist nie zu spät. Sie sind nie zu alt.

Wir müssen die Rudimente eines medizinischen Modells aufgeben, das postuliert, Patienten seien von einem seltsamen Leiden befallen und bräuchten einen leidenschaftslosen, fehlerfreien, distanzierten Heiler. Wir sind alle mit demselben Schrecken konfrontiert, der Wunde der Sterblichkeit, dem Wurm im Kern unserer Existenz.

(frei zusammengestellt aus Irvin D. Yalom in ‚In die Sonne schauen‘)



Existentielle Faktoren

Psychologie Posted on Mi, Januar 16, 2019 13:14:37

Existentielle Faktoren sind:

– Erkennen, dass das Leben manchmal unfair und ungerecht ist.

– Erkennen, dass es manchmal letztendlich unmöglich ist, Schmerzen, die das Leben mit sich bringt, zu entfliehen und ebenso wenig dem Tod.

– Erkennen, dass ich anderen Menschen noch so nahe sein kann, aber mit dem Leben trotzdem allein fertig werden muss.

– Mich den Grundfragen meines Lebens und meines Todes stellen und dadurch ehrlicher leben und mich weniger in Unwichtigem verstricken.

-Mir darüber klar werden, dass ich letztlich selbst dafür verantwortlich bin, wie ich lebe, auch wenn ich von anderen noch so viel Rat und Unterstützung erhalte.

(Irvin D. Yalom in ‚Theorie und Praxis der Gruppenpsychotherapie‘)



Selbst und Achtung

Psychologie Posted on Mi, Januar 16, 2019 13:13:11

Man kann sagen, dass das SELBST aus gespiegelten Urteilen besteht.

Sich selbst zu akzeptieren hängt nicht nur von der Fähigkeit ab, andere zu akzeptieren, sondern man kann andere auch nur dann völlig akzeptieren, wenn man sich selbst akzeptiert.

Selbstachtung und das Ansehen anderer sind stark miteinander verbunden.

(Irvin D. Yalom in ‚Theorie und Praxis der Gruppenpsychotherapie‘)



Beachtung

Sprüche Posted on Mi, Januar 16, 2019 13:12:11

“Wir sind nicht nur Herdentiere, die gern in Sichtweise ihrer Artgenossen bleiben, sondern wir haben auch eine angeborene Neigung, uns die Beachtung, und zwar die positive Beachtung, unseresgleichen zu sichern. Man könnte sich keine höllischere Strafe ausdenken, wäre so etwas physikalisch möglich, als jemanden in einer Gesellschaft leben zu lassen, deren Mitglieder den Betreffenden nicht im Geringsten bemerken.”

(William James, Psychologe und Philosoph)



Himmel und Hölle

Metaphern Posted on Mi, Januar 16, 2019 13:10:55

Eine alte Geschichte berichtet von einem Rabbi, der mit Gott ein Gespräch über Himmel und Hölle führte. „Ich will die die Hölle zeigen“, sagte Gott und führte den Rabbi in ein Zimmer, in dem um einen großen runden Tisch eine Gruppe hungernder, verzweifelter Menschen saß. Mitten auf dem Tisch stand eine riesige Schüssel mit Eintopf, mehr als genug für alle. Das Gericht duftete köstlich, und dem Rabbi lief das Wasser im Mund zusammen. Doch niemand aß. Jeder am Tisch hatte einen sehr langstieligen Löffel in der Hand – lang genug, um den Topf zu erreichen und sich einen Löffel von dem Eintopfgericht zu nehmen, aber zu lang, um die Speise zum Mund zu führen. Das Rabbi sah, dass die Versammelten schrecklich litten, und neigte voller Mitleid sein Haupt. “Nun zeigte ich dir den Himmel” sagte Gott, und sie betraten ein anderes Zimmer, genau wie das erste – der gleiche große runde Tisch, die gleiche riesige Schüssel mit Eintopf, die gleichen langstieligen Löffel. Doch hier waren die Anwesenden fröhlich, wohlgenährt, und ausgelassen. Zunächst begriff der Rabbi nicht und schaute den Herrn an. “Es ist einfach”, sagte Gott, “aber man braucht dazu eine gewisse Fähigkeit. Die Menschen in diesem Raum haben gelernt, einander zu füttern!

(gefunden in ‚Theorie und Praxis der Gruppenpsychotherapie‘ von Irvin D. Yalom)