In ihrem Konzept geht das katathyme Bilderleben von der Tradition der europäischen Tiefenpsychologie aus und erfüllt alle Kriterien der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie. Beinahe alle Menschen können fantasiegetragenen Imaginationen entfalten (nicht nur im Nachttraum, sondern auch in Tagestraumfantasien) und somit sich in einen subtilen dialektischen Prozess treten. Im Gegensatz zum Nachttraum, bei der i.d.R. eine kritische Stellungnahme aufgehoben ist, bleibt es im Tagtraum klar, dass es sich nicht um reale Erscheinungen handelt. Mittels nicht interpretierenden (!) Interventionen kann der Therapeut auf Grund von empirischen Beobachtungen die Imaginationen sinnvoll nutzen (z.B. Versöhnen und Nähren). Nach der Einleitung einer kurzen Entspannungsphase werden vage Vorstellungsmotive vorgegeben und der Klient kann spontan auftretende Gefühle und Affekte entfalten und dabei verbalisieren. Eine emphatisch einfühlende Begleitung durch den Therapeuten ist wesentlich. Obwohl die Durchführung sehr einfach erscheint, ist KiP ein starkes therapeutisches Instrument (auch im Bereich der Kurzzeittherapien), das eine entsprechende Ausbildung und Erfahrung voraussetzt. In der Grundstufe werden weniger Symptomatiken direkt behandelt, sondern die unbewusste Psychodynamik. Durch die Art der Vorlagen / Strukturmotive werden keine Grenzen gesetzt. Projektionen können sich dabei trägheitslos wandeln (mobile Projektionen). Dabei kann KiP sowohl mit Klienten die stark intellektualisieren, als auch mit Klienten, die in Introspektion ungeübt oder auf ein operatives Denken eingeschränkt sind, erfolgreich eingesetzt werden. Der Klient wird gebeten über alle auftauchenden Inhalte fortlaufend zu berichten (dauerhafter Rapport). Der Therapeut stellt sich so ein, dass er alle Inhalte anerkennt und seine Fragen und Hinweise aus der quasi-realen Perspektive formuliert. Wichtig ist, dass der Klient lernt das Gefühlsmoment und die Stimmung wahrzunehmen. Zwischenfragen sollten deshalb vor allem der Klärung von Bilddetails und des Gefühltones dienen.

Skizze eines Ablaufes..
– “Blumentest” im Sitzen, ohne Ankündigung zur Verhinderung einer Erwartungsspannung

– Entspannung
– Einstellung eines Strukturmotives, in der Grundstufe: Wiese (spiegelt häufig die gegenwärtige Stimmung des Klienten wieder) – kann auch als Startpunk für Sitzungen dienen, Bachlauf (ergibt sich auch öfter aus dem Wiesenmotiv), Berg, Haus, Waldrand
– Zurücknehmen

I.d.R. erfolgen keine anschließenden Nachgespräche über die Inhalte. Ggf. Hausaufgabe ein Bild zu malen oder ein Protokoll zu schreiben (und Besprechung am Anfang der nächsten Sitzung).

Für eine Einleitung in die Grundstufe sei z.B. auf das Buch “Katathym-imaginative Psychotherapie (KiP)” von Hanscarl Leuner verwiesen.

Kontraindikationen sind ein IQ unter 85, Psychosen akuter oder chronischer Art oder psychosenahe Zustände, hirnorganische Syndrome, schwere depressive Verstimmung, mangelnde Motivation selbst für eine einfache, nicht aufdeckende Therapie.